Wieso, weshalb, warum »Kinderbuch und Comic«? Das wird sich manch einer fragen. Seit Jahrzehnten strampelt sich der Comic um die Anerkennung als etablierte Kunstform ab; soll er nun erneut als Medium für Kinder verhandelt werden? Mitnichten. Die Ausgangsidee für das Thema dieser STRAPAZIN-Nummer war, in Bild und Text die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Erzählformen aufzuzeigen, losgelöst von ihrer Leserschaft und jeweiligen Zielgruppe.
Wie die hier versammelten Textbeiträge von Comiczeichnern über ihre Lieblingskinderbücher belegen, ist die Arbeit der Comiczeichner von den Bilderbüchern extrem geprägt und wird heute noch beeinflusst. Die Artikel von Anke Feuchtenberger, Steven Appleby, ATAK und Gunnar Lundkvist gehen weit über ein Porträt hinaus, denn sie offenbaren einen äußerst bedeutsamen Part ihrer eigenen künstlerischen Arbeit, der in der Comic-Rezeption bisher größtenteils ausgespart geblieben ist. Obwohl es zahlreiche Comiczeichner gibt, die Kinderbücher illustrieren – eine Auswahl davon findet sich als Magazinteil –, herrschen zwischen beiden Medien noch immer Berührungsängste. Das »pädagogisch wertvolle« Kinderbuch scheut den »trivialen« Comic, wie auch andersherum. Die wechselseitigen Vorurteile der Leserschaft von Kinderbüchern als auch Comics stehen sich in nichts nach, was von der jeweiligen Verlagspolitik zusätzlich gefördert wird.
Dem entgegen steht die extreme Offenheit der Künstler. Für diese STRAPAZIN-Ausgabe haben wir zehn Kinderbuchillustratoren gebeten, ihr Comic-Debüt zu geben. Wir waren überrascht, dass keiner aus Mangel an Interesse abgesagt hat. Und weitaus mehr erstaunt waren wir, als wir dann die Resultate gesehen haben: Die spielerische Offenheit und lockere Selbstverständlichkeit, mit der sich die Illustratoren abseits restriktiver Comic-Definitionen mit ihrem Verständnis von Comic auseinandergesetzt haben, strotzen vor erfrischender Impulse für beide Erzählformen. Wir haben uns deshalb entschlossen, mit den Comic-Arbeiten der Illustratoren eine Wanderausstellung zu konzipieren.