"Mark Mareks 'New Wave Comics' entstanden in den Jahren 1978-1983. In einer Zeit, als der Begriff New Wave noch einen guten Klang hatte und jegliche Innovation in Musik, Film oder Graphik mit Vorliebe so bezeichnet wurde. New Wave als künstlerische Fortsetzung und Erweiterung des spröden, rohen Punk-Gefühls, das kurz zuvor für neue Freiräume und Veränderungen gesorgt hatte.
Den Katalysator für Amerika bildete die Undergroundszene von New York. Eine Brückenfunktion nahm dabei das Magazin 'Arcade' ein, an dem neben Altmeister Robert Crumb auch Art Spiegelman maßgeblich beteiligt war. Schon damals ging es dem späteren 'Raw'-Gründer um die Suche nach neuen Ausdrucksformen im Comic.
Mitte der 70er Jahre war auch Mark Marek aus seiner Heimatstadt Dallas nach New York gekommen. Ein abgeschlossenes Studium der Malerei in der Tasche, suchte er im 'Big Apple' nach neuen Anregungen und Kicks, die möglichst weit von seiner künstlerischen Ausbildung entfernt lagen.
Er lernte sehr bald die Arbeiten von Mark Beyer, Gary Panther, Lynda Barry und Matt Groening kennen, die sich zu einer losen Gruppe eigenwilliger Freigeister zusammengetan hatten und zu jener Zeit mit kleinen, selbstverlegten Heften von sich reden machten.
Trotz unterschiedlicher Zeichenstile und Inhalte hatten ihre Comics einiges gemein: Sie waren ungewöhnlich, extrem subjektiv, und setzten alles daran, stilistisch und erzählerisch Neuland zu betreten. Mark Marek war der Satiriker unter ihnen. Bissig, kritisch, aber immer mit einem Schmunzeln nahm er in seinen 'New Wave Comics', die zuerst im Magazin 'National Lampoon' abgedruckt wurden, die Auswüchse des American Way of Life aufs Korn.
Fernsehshows, Gesetz und Ordnung, die Esskultur und der Krieg der Geschlechter waren immer wiederkehrende Themen, die er auf ungewohnt skurrile Art und Weise anging. Doch seine Intentionen gingen von Anfang an über die rein inhaltlichen Aspekte hinaus. Er wollte auch zeichnerisch alles Bewährte über Bord werfen und mit einer neuen Ästhetik überzeugen.
Abseits von Karikatur und Cartoon, die von der anatomischen Übertreibung leben, und noch weiter entfernt von den typisch amerikanischen Superhelden-Comics, entstanden Arbeiten, die Gary Panther einmal 'Ratty Drawings' nannte. Schräge, krakelige und scheinbar schnell hingeworfene Bilder, deren Strich naiv und unfertig wirkte."
(Karlheinz Borchert, aus dem Vorwort des Buches)