Donjon Parade   

Donjon Parade
 Reprodukt

Donjon Parade

Verlag: Reprodukt
"Der Donjon, das sind mehr als tausend Tote im Monat."

Der Donjon, das ist aber auch ein mehr oder minder florierendes Unternehmen, und seine Bewohner warten nur auf Abenteurer auf der Suche nach Zeitvertreib und Zaster, um diesen auch das letzte Hemd abzuknöpfen, während sie ihren letzten Atemzug tun.

"Donjon" – die Comicserie, die zunächst bei Carlsen erschien und nun bei Reprodukt fortgesetzt wird – beschreibt drei Epochen einer fantastischen Welt, in der eine Reihe von Charakteren auftauchen, die ihre wahnwitzigen Abenteuer erleben, sich entwickeln und – für Comics nicht unbedingt typisch – auch altern, genau wie der Donjon selbst. In den Büchern entsteht ein eigener Fantasy-Kosmos, der in allen seinen Facetten ausgeleuchtet und beschrieben werden will. Dafür will man sich Zeit lassen und auch den nötigen Raum: Die Serie ist ganz unbescheiden auf rund 300 Alben angelegt.

So ein ambitionierter Plan verlangt nach fähigem, kreativen Personal. Lewis Trondheim, der durch seine zahlreichen Veröffentlichungen bekannt ist, schart für "Donjon" eine Reihe befreundeter Zeichner und Autoren um sich, die ihrerseits bereits für ihre eigenen Comic-Veröffentlichungen geschätzt werden. So teilen sich Joann Sfar ("Die Katze des Rabbiners"), Christophe Blain ("Isaak der Pirat") und Manu Larcenet ("Der alltägliche Kampf") die Kreativaufgaben, was die jeweiligen "Donjon"-Serien zusätzlich zur abwechslungsreichen Lektüre macht.

Denn genau gesagt besteht "Donjon" nicht aus einer Serie, die chronologisch erscheint, sondern aus mehreren Unterserien, die die verschiedenen Phasen des Donjons beschreiben und auf die sich die Autorenteams verteilen. "Donjon – Morgengrauen" deckt dabei die Alben -99 bis 0 ab, "Donjon – Zenit" die Nummern 1 bis 100 und "Donjon – Abenddämmerung" 101 bis 200. Zusätzlich erscheinen noch die Serien "Donjon Monster", in der in jedem Band ein Einblick in die Lebensgeschichte einer "Donjon"-Figur gegeben wird und "Donjon Parade", die die irrwitzigen Abenteuer Herberts und Marvins, zweier Donjon-Bewohner, verfolgt.

Dieser nahezu grotesk ambitionierte Ansatz des Mammutprojekts zeigt bereits, dass die Autoren ihre helle Freude daran haben, sich des Fantasy-Genres anzunehmen und eigene Geschichten mit Verliessen, Zauberern und Monstern zu schreiben. Doch mit dem Genre und dessen Konventionen nimmt man es hier nicht zu ernst, sondern schlachtet lieber genüsslich den reichhaltigen Fundus an Klischees und Motiven aus, den man aus vielen Fantasybüchern und -filmen bereits zur Genüge kennt. Die Serie auf rund 300 Bände anzulegen ist deshalb bereits ein kleiner Seitenhieb auf die im Fantasy-Genre nicht unüblichen mehrbändigen Zyklen, in denen eine selbst ausgedachte Fantasiewelt bis in kleinste Details und auf viele Handlungsstränge verteilt beschrieben wird.

Im Mittelpunkt dieses lustvoll-überdrehten Epos steht die mit Gold gefüllte Festungsanlage, eben der Donjon, deren Entstehung, Aufstieg und Fall und die damit verbundenen Geschichten deren Bewohner und Besucher die Autoren liebevoll in Szene setzen. Die altbekannten Zutaten einer zünftigen Abenteuergeschichte fehlen natürlich nicht: die Ordnung im Donjon muss bewahrt und Bedrohungen abgewendet werden, es lockt die holde Weiblichkeit und es wird zu Hunderten gekämpft, daß die Knochen und Knorpel nur so fliegen. Da muss Hyazinth, das "Hemd der Nacht" – später passionierter Wärter des Donjon –, schluchzende Baumfrauen aus der Gefangenschaft befreien und Herbert, der hasenfüßige Enterich, mit bloßen Händen drei große Kämpfe bestehen, damit das nervtötend quatschende Zauberschwert an seinem Gürtel nicht nur endlich mal die Klappe hält, sondern sich auch einmal aus der Scheide ziehen lässt...
 
 

"... die irrwitzigste Comicserie der Welt..."
– Andreas Platthaus, www.satt.org
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