Utopische Sehnsucht nach Angst   

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Utopische Sehnsucht nach Angst

Von Morus’ Utopia zu Moores Watchmen
Verlag: Bachmann Verlag
Titel in Vorbereitung
  Dieser Artikel erscheint voraussichtlich am 03.05.2017

In Thomas Morus’ Utopia (1516) spielt das Religiöse eine merkwürdige Rolle. Denn so sehr der darin beschrieben Staat, das Produkt menschlicher Vernunft ist, so sehr gehört zu seinen Existenzbedingungen die Erwartung eines strafenden Gottes. Die Utopier glauben, so Morus’ Erzähler, »daß nach diesem Leben Strafen für unsere Verfehlungen festgesetzt, Belohnungen für unsere Tugenden uns bestimmt sind«, und dieser Glaube ist wichtig, sagt er, weil den Utopiern ihre »bürgerlichen Einrichtungen und moralischen Grundsätze […] keinen Pfifferling gelten« würden, wenn nicht die »Furcht [sie] in Schranken hielte«. Das Grundprinzip von Utopia ist also nicht die Vernunft, sondern die Angst, und diese Erkenntnis ist hinreichend, um eine Linie von Morus’ Utopia zu Alan Moores und Dave Gibbons’ Watchmen (1986) zu ziehen. Immerhin soll auch hier eine perfekte Welt auf Angst gegründet werden, wenn auch nicht auf die vor einem Gott, sondern vor Außerirdischen …

COMIQHEFT ist eine Kleinschriftenreihe, die Comics, Graphic Novels, Mangas, Manwhas und alle anderen Formen von Bilderzählungen in den Fokus rückt. Sie ist die kleine aber nicht weniger bedeutsame Cousine der Reihe Yellow – Schriften zur Comicforschung. Niedriger Preis, hohe Auflage und einfache Ausstattung machen neue und alte Studien, Essays, Pamphlete und vielleicht den einen oder anderen Comic einem breiten Publikum zugänglich. COMIQHEFT versteht sich als Plattform für kontroverse Diskussionen: Reaktionen auf erschienene Hefte sind ausdrücklich willkommen. Ziel ist nicht konsensfähiger Kompromiss, sondern lebhafter Austausch. Jedes Heft ist individuell gestaltet, Einheit schafft das gemeinsame Thema.

Reihe Comiqheft
Einband Softcover
Format 18 x 11 cm
Seitenzahl 54 Seiten, schwarzweiß
ISBN 978-3-941030-94-7
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