Lesetipps im April 2015

Der Bildhauer
Scott McCloud

Der schielende Hund
Étienne Davodeau
Von Kunst und Künstlern
David Smiths Leben verläuft nicht gerade wir erwünscht. Der junge Mann mit dem Allerweltsnamen ist Künstler, ein Bildhauer. Doch nach einem kurzen Erfolg kam der Fall. Nun steckt er in einer Lebenskrise und hat weder kreativen Output noch Geld. In einer Kneipe begegnet er überraschend seinem Onkel Harry – und erst im Verlauf des Gesprächs fällt David plötzlich ein, dass Harry längst tot ist! Und der Tod ist es, der in Harrys Körper David ein ganz besonderes Angebot macht: Kunst gegen Leben. David wird eine einmalige Fähigkeit erhalten, seine Werke umzusetzen, hat dann allerdings nur noch 200 Tage zu leben. David geht auf das Angebot ein, denn sein Wunsch, noch einmal große Kunst zu erschaffen ist stärker, als der nach einem langen, aber unerfüllten Leben. Am folgenden Tag entdeckt er schließlich seine neue Fähigkeit: Er kann Dinge nun nur durch Berührung beliebig formen. Einen Steinblock muss er so nicht mehr langsam zu einer Form meißeln, sondern kann ihm nur durch Anfassen jegliches gewünschtes Aussehen geben. Allerdings hilft dies und die sich daraus ergebende Möglichkeit, in kürzester Zeit jede Menge Werke zu erschaffen, auch nicht dabei, wieder eine Ausstellung und Ansehen zu bekommen. Wild entschlossen setzt er all seine Energie ein, in den ihm verbleibenden immer weniger werdenden Tagen endlich substantielle Kunst zu schaffen und lässt dabei die ganze Stadt zu seinem Rohmaterial werden. Was David für sein kurzes restliches Leben allerdings nicht eingeplant hatte, ist die Begegnung mit einer Frau und die sich entwickelnde Liebe ...
Mit Der Bildhauer zeigt sich der Theoretiker Scott McCloud nun als Praktiker. Seine großartigen „Sekundärcomics“ über das Rezipieren und das Schaffen von Comics gehören längst zu den Standardwerken für alle, die sich tiefer mit dem Medium auseinandersetzen möchten. Nun präsentiert McCloud nach fünfjähriger Arbeit seine erste Graphic Novel, in der er die Leserinnen und Leser auf fast 500 Seiten zu einer fantastischen Reise in die Welt der Kunst einlädt und dabei beweist, dass er das Erzählen in Bildern nicht nur in der Theorie bestens beherrscht.

Auch bei Étienne Davodeau dreht sich alles um die Kunst, und zwar um die ganz hohe, die ausgestellt im Pariser Louvre zu finden ist. Täglich kommt Fabien mit dieser in Kontakt, denn er arbeitet dort als Museumsaufsicht. Mit einem ganz anderen Werk bekommt er es dagegen zu tun, als er erstmals die chaotische Familie seiner Freundin besucht. Dort wird ihm ein auf dem Dachboden gefundenes Bild präsentiert, Der schielende Hund, das ein Vorfahre der Familie Mitte des 19. Jahrhunderts gezeichnet hatte. Fabien soll sich nun darum kümmern, dass dieses Bild des (zurecht) völlig unbekannten Künstlers auch im Louvre ausgestellt werden soll. Eine absurde Idee, die Fabien natürlich komplett ignorieren würde – wäre da nicht seine Freundin. Dann aber macht er überraschend die Bekanntschaft mit einer geheimen Bruderschaft, der „Republik Louvre“. Und dort interessiert man sich für dieses Bild und so scheint der Platz im Louvre tatsächlich in greifbare Nähe zu rücken ... Eine hoch amüsante Farce zu der Frage was Kunst eigentlich zu „Kunst“ macht.



Outcast
Robert Kirkman, Paul Azaceta
Besessen
Es sind dunkle Erinnerungen an seine Kindheit, die Kyle Barnes quälen, Erinnerungen an eine sich ganz plötzlich verändernde Mutter und ihre Gewalt. Heute als junger Mann lebt er alleine und zurückgezogen im heruntergekommenen Elternhaus. Doch das, was mit seiner Mutter geschah, passiert noch immer. Ein Priester versucht den betroffenen Menschen zu helfen, sie von den Dämonen, die in sie gefahren sind, zu exorzieren. Er weiß auch von den damaligen Geschehnissen um Kyle und ist überzeugt, dass dieser beim Exorzieren hilfreich sein kann. Als er Kyle endlich davon überzeugt hat, ihn zu einem besessenen Jungen zu begleiten, ahnt er noch nicht, wie wenig er tatsächlich weiß und was er damit auslöst, als Kyle tatsächlich einen erschreckenden schattenhaften Dämon aus dem Kind vertreiben kann ...
Outcast ist eine neue Horror-Serie des mit „The Walking Dead“ bekannt gewordenen Szenaristen Robert Kirkman. Die packende und ziemlich düstere Erzählung wird von Paul Azaceta perfekt illustriert. Und während bei Walking Dead erst sieben Jahre vergehen mussten, bevor eine TV-Adaption entstehen konnte, begann die Planung für die Outcast TV-Serie schon bevor das erste Comic-Heft der Reihe erschienen war. Die Produktion von zehn Episoden soll in diesem Jahr beginnen.



Lindbergh
Ahndongshiky
Der Traum vom Fliegen
Der junge Knit lebt im seltsamen Königreich Eldura, das – rundherum umgeben von unüberwindlichen Steilhängen – von niemandem verlassen werden kann. Nur durch die Luft wäre Eldura erreichbar, Fliegen gilt hier allerdings als Verbrechen. Knits Vater hatte sich allerdings heimlich mit der Konstruktion von Flugmaschinen beschäftigt. Doch bei einem Testflug stürzte er über die Steilhänge in die Tiefe und gilt als tot. Knit, zusammen mit seinem seltsamen Hundeechsen-Haustier Plamo, versucht, als Schäfer über die Runden zu kommen. Als plötzlich ein Fremder, reitend auf einer großen, mit künstlichen Flügeln versehenen Echse in Eldura abstürzt, fängt für Knit ein unglaubliches Abenteuer an, bei dem er schnell erfährt, dass außerhalb Elduras das Fliegen, mit Hilfe von Lindbergh genannten Wesen etwas völlig Normales ist. Dass er mit dem Fremden, dem er zur Flucht von Eldura verholfen hatte, allerdings an einen Piraten geraten ist, konnte Knit nicht ahnen – und noch viel weniger weiß er um das Mysterium Elduras und was so alles noch in seinem kleinen Freund Plamo steckt ...
Ahndongshiks Manga-Reihe „Lindbergh“ startete hierzulande bereits vor einem Jahr. Im nun aktuellen sechsten Band wird der erste Zyklus abgeschlossen. Knits Abenteuer führten ihn durch die Lüfte in neue Länder und er konnte mehr über die Vergangenheit seines Piraten-Freundes und über die vielen verschiedenen Lindberghs erfahren. Mit einem Zeitsprung von drei Jahren geht das Abenteuer nun mit einem etwas älterem Knit und einem größer gewordenen Plamo weiter. Ahndongshik hat eine fantastische Welt erschaffen und erzählt ein spannendes Abenteuer nicht nur für junge Leser. Ein unterhaltsamer Fantasy-Epos, der auch ein wenig von westlichen Comics beeinflusst wurde.




Lesetipps im April 2015

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