Lesetipps im April 2016

Unterwegs (Gesamtausgabe)
Daniel Ceppi
Abenteuerliche Weltreise
Die Geschichte beginnt mit extremer jugendlicher Unvernunft: Der junge Schweizer Stephan lässt sich von einem Kumpel dazu überreden, sich an einem Überfall auf einen Laden zu beteiligen. Der Kumpel hält sich im Hintergrund (da ihn angeblich die Verkäuferin kennt), verschwindet aber anschließend ganz allein mit all dem Geld, während Stephan auf der hektischen Flucht auch noch seinen Mantel inklusive seines Ausweises verliert. Betrogen, pleite und gesucht will Stephan das Land verlassen. Doch auch hier klappt nichts, wie es soll. Der Güterzug, in dem er sich versteckt, fährt statt nach Le Havre Richtung italienischer Grenze und als Stephan dann einfach über die Alpen weiter nach Italien will, verläuft er sich im Nebel und landet am Ende wieder in der Schweiz. In dem einsam gelegenen Holzbetrieb in den Bergen, an dessen Tür Stephan völlig durchnässt klopft, wird ihm Unterkunft und sogar ein Job angeboten. Mit Alice, der Tochter des Paares, welches die kleine Holzwirtschaft betreibt, versteht sich Stephan bestens. Endlich hat er also mal ein wenig Glück – bis ihm im nahegelegenen Dorf ausgerechnet die Verkäuferin des Ladens, den er überfallen hatte, über den Weg läuft ... Mit Hilfe von Alice, die mehr vom Leben will, als das kleine Schweizer Bergdorf ihr bieten kann, findet Stephan nun den Weg über die Berge nach Italien, von wo sie ihre Reise direkt weiter nach Istanbul führt.

So beginnt Daniel Ceppis Serie Unterwegs, der seine beiden Figuren in der Türkei direkt in eine neue gefährliche Geschichte führt. Denn sie landen in einem Dorf, in dem es plötzlich zu Krankheiten und Tiersterben kommt, verursacht durch eine Dioxinverseuchung des Wassers, dem Stephan auf die Spur kommt. Diese Episode entstand unter dem Eindruck des damals aktuellen Skandals um das Chemieunglück in Seveso, wo 1976 große Mengen des gefährlichen Dioxins TCDD freigesetzt wurden. Es ist nicht nur der Einfluss aktueller gesellschaftlicher Themen, der Ceppis Serie so realistisch erscheinen lässt, sondern vor allem die Reiseerlebnisse selbst. Denn vieles davon beruht auf tatsächlichen Erfahrungen des Autors, der all die Länder, in die er seine Figur schickt, auf ähnlichen Wegen auch selbst bereist hat. Dies zeigt sich in den detailreichen Zeichnungen, mit denen Ceppi Landschaften, Dörfer und Städte der fernen Länder zu Papier bringt. Obwohl wenn die Serie in erster Linie eine Abenteuergeschichte ist, fließen auch viele Elemente einer Reisereportage mit ein. Besonders mit der auf deutsch bisher unveröffentlichten zweiten Staffel (die im dritten Band der Gesamtausgabe starten wird) entwickelt sich die Serie laut Verlag zu einem frühen Beispiel einer Comicreportage. In den bereits vorliegenden Geschichten führt Stephans Weg zuerst aber weiter nach Afghanistan (ein Land, das in den 1970er-Jahren noch problemlos bereist werden konnte) und – nun ohne Alice – nach Indien. Nach einer Schatzsuche im Dschungel bringt ihn ein Hilferuf in den Trubel der Metropole Kalkutta und zu einer unangenehmen Begegnung mit einem alten Bekannten. Die ersten sieben Alben von „Unterwegs“ gab es ab 1984 bereits im Carlsen Verlag. Seit langem vergriffen hat nun Comicplus diese spannende Serie wieder ausgegraben und startete mit einer Gesamtausgabe. Neben einer neuen (und an vielen Stellen auch deutlich besseren) Übersetzung bietet diese im Bonusmaterial auch einige Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Serie.



Lazarus
Greg Rucka, Michael Lark
Schere am Anschlag
Weiter als in der von Greg Rucka verfassten Serie Lazarus kann sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht mehr öffnen. Denn in dieser Dystopie sind es nur noch sechzehn Familien, denen alles gehört, die die Welt unter sich aufgeteilt haben. Die restliche Menschheit steht, wenn sie Glück hat, als „Knecht“ in den Diensten einer der Familien. Der größte Teil gilt allerdings nur noch als überflüssiger „Abfall“. Spannungen gibt es nicht nur zwischen den verschiedenen Familien, sondern auch innerhalb dieser. So auch bei den Carlyles, wo Intrigen um die Machtfolge gang und gäbe sind. Eine Sonderstellung nimmt Eve, eines der fünf Carlyle-Geschwister ein. Sie ist für die Sicherheit der Familie verantwortlich und dazu mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet. Doch weiß nicht einmal sie selbst, dass sie gar keine echte Tochter ihres Vaters ist, sondern eine biologisch gezüchtete Kampfmaschine. Im ersten Band von „Lazarus“ widmet sich Rucka dem Innenleben der Familie Carlyle, während der zweite Teil sich auch dem menschlichem „Abfall“ zuwendet und eine Familie aus dieser Unterschicht bei dem Versuch begleitet, den Aufstieg in die Reihen der Knechte zu schaffen. Dabei kreuzen sich die Wege von Eve und dieser Familie ...
Michael Lark hat Ruckas brisantes Science-Fiction-Drama mit prägnantem Strich in fesselnde Bilder umgesetzt, deren Schwarzflächen bestens durch die lebendige Kolorierung von Santi Arcas ergänzt werden. Eine spannende Reihe aus dem US-Hause Image hat sich Splitter mit dieser Serie gesichert.



Terra Australis
Laurent-Frédéric Bollée, Zeichner Philippe Nicloux
Gründungsgeschichte
Ein wirklich episches Werk, 500 Seiten entstanden in fünf Jahren Arbeit, präsentieren Szenarist Laurent-Frédéric Bollée und Zeichner Philippe Nicloux mit Terra Australis. Sie erzählen hier die Geschichte der „Geburt Australiens“, bzw. der westlichen Besiedelung/Besatzung des fernen erst kurz zuvor von James Cook kartografierten Kontinents durch größtenteils britische Sträflinge, die dorthin im 18 Jahrhundert deportiert wurden. Bollée erzählt das Geschehen anhand einiger Personen, vom Straßenjungen über den ehemaligen Sklaven bis hin zum Leiter dieser Mission und dem ersten Gouverneur der Kolonie Arthur Phillip – unterschiedlichste Menschen über Monate zusammengepfercht in einer kleinen Flotte von Schiffen. Doch Bollée setzt schon lange vor dieser Überfahrt an und schildert auf den ersten 200 Seiten das Schicksal seiner Figuren, bevor diese auf der beschwerlichen Reise, die im Mittelkapitel geschildert wird, zusammentreffen. Die Fahrt endete in einer Bucht, die Sydney Cove benannt wurde. Dort, wo heute die Millionenstadt Sydney liegt, entstand die erste britische Kolonie. Das letzte Kapitel des Buches beobachtet das Wachsen dieser Kolonie in den ersten Jahren und erzählt von den Konflikten, die durch die Neuankömmlinge mit den Ureinwohnern entstanden. Die spannende Geschichtsstunde (bzw. Stunden) ist mit Tusche lavierten Graustufenbildern bestens illustriert.




Lesetipps im April 2016

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