Lesetipps im Juni 2016

Tyler Cross, Band 1
Fabien Nury, Brüno
Ein knallharter Einzelgänger
USA, Anfang der 1950er-Jahre: Ein alternder Mafiapate hat etwas gegen den mangelnden Respekt eines Vertreters der jungen Generation seines Gewerbes und beschließt deshalb, diesem eine Lieferung von 17 Kilo Heroin zu klauen. Für diese Aufgabe engagiert er einen in der Branche für seine Kaltblütigkeit bekannten Mann: Tyler Cross. Doch dessen Aktion geht gewaltig daneben und endet in einem Blutbad, dass nur Tyler überlebt. Neben den Gegnern mussten auch Tylers MitarbeiterInnen dran glauben. Doch zumindest die Beute ist gerettet. Mit einem Seesack voller Drogen (im Wert von einer halben Million Dollar), Bargeld von gerade mal 21 Dollar und ohne fahrbaren Untersatz findet sich Tyler inmitten der texanischen Wüste wieder. Der Fußmarsch führt ihn in ein kleines Kaff namens Black Rock. Eigentlich will er nur einmal telefonieren, auf eine Geldanweisung seines Auftraggebers warten uns schnell weiterziehen. Aber es kommt anders: Nicht nur, dass sein Auftraggeber gerade verstorben ist, auch die in Black Rock herrschende Familiensippe der Praggs (deren Patriarch das lokale Ölgeschäft beherrscht und dessen Söhne auf den Posten des Bürgermeisters, des Sheriff sowie des Bankdirektors sitzen) hat ein Auge auf den geheimnisvollen Neuankömmling geworfen. Doch kann das Aufeinandertreffen mit Tyler Cross für die Praggs und ihre Stadt überhaupt gut ausgehen?
Fabien Nury schuf eine packende und geradlinige Geschichte, die dem Film noir der 40er- und 50er-Jahre huldigt. Mit klarer kantiger Linie hat Brüno diese Erzählung um schmutzige Geschäfte, skrupellose Gangster und aufregende Frauen stilsicher bebildert.



Die Straßenkinder von Montmartre
Patrick Prugne
Am Stadtrand von Paris
Erst 1860 durch die Eingemeindung einiger Dörfer ein Teil von Paris geworden, gibt es am Montmartre auch zu Beginn des 20 Jahrhunderts eine teils dörfliche Atmosphäre. Dort tummeln sich auch die Straßenkinder von Montmartre und versuchen unter anderem in einem Tümpel auf einer Wiese Frösche zu züchten. Doch auf genau diese Wiese hat es auch der Bauunternehmer Noblard abgesehen. Als Noblard mit den Arbeiten dort beginnen will, hat er auch seinen kleinen Sohn dabei. Dieser soll das harte Arbeitsleben kennenlernen, damit ihm seine Flausen, sein Interesse an der Malerei, aus dem Kopf getrieben werden. Doch dieser Ausflug soll für den alten Noblard in der Grube eines Plumpsklos enden, während für seinen Sohn ein ganz besonderes Abenteuer mit den Straßenkindern beginnt ...
Patrick Prugne zeichnet in wunderschönen Aquarellbildern ein liebevolles Porträt der Menschen in diesem 18. Pariser Stadtbezirk, der damals zwar geprägt war von Armut aber auch von Lebensfreude sowie von den Künstlern, die Montmartre zum Mittelpunkt ihrer kreativen Tätigkeit machten.



Bizu Gesamtausgabe, Band 1
Jean-Claude Fournier
Ein geheimnisvoller Wald
Gerade auch durch Koproduktionen finden immer weitere Gesamtausgaben klassischer Comicserien den Weg in den deutschsprachigen Markt. Schön, wenn dann nicht nur Bekanntes neu aufgelegt wird, sondern sich ebenfalls Neuentdeckungen ins Programm der Verlage mischen. So startet Egmont Ehapa nun mit der Bizu Gesamtausgabe des bretonischen Zeichners Jean-Claude Fournier. Für Fournier, der vor allem durch die Fortführung von „Spirou und Fantasio“ bekannt wurde, nachdem André Franquin diese nicht mehr zeichnen wollte, war Bizu ab 1967 der Einstand ins Comic-Business und seine über viele Jahre fortgeführte (nur unterbrochen durch die Zeit , in der er Spirou zeichnete) Lieblingsserie. In dem poetischen Funny entführt er seine LeserInnen in einen verzauberten Wald, in dem das Leben fernab von unserer (auch schon Ende der 1960er-Jahre) immer hektischeren Gegenwart zu existieren scheint. Es ist eine Welt, in der Pilze sprechen, geheimnisvolle Wesen, wie der musikliebende Schnockbüll oder das alles mögliche ausbrütende Lomig leben – und natürlich Bizu, ein Kobold oder Korrigan. Zu Anfang der Serie verschlägt es ausgerechnet einen grummeligen Briefträger, der in diese verwunschene Welt eine Postkarte für Bizu zustellen muss. Der erste Band der Gesamtausgabe enthält Geschichten aus den Jahren 1967 bis 1986.



Wytches, Band 1
Scott Snyder, Jock
Wen würdest du verpfänden?
Diese Frage stellt Scott Snyder mit seiner düsteren Horrorerzählung Wytches. Denn in seiner Welt gibt es ganz besondere Hexen. Es sind uralte Wesen, böse und mit viel Wissen, das Menschen zum Beispiel bei Krankheiten helfen kann. Doch Hilfe gibt es nur gegen Nahrung ... und die Wytches leben von Menschen, vorzugsweise von Kindern, die an die dunklen Kreaturen im Gegenzug verpfändet werden. Sailor Rook, ein Teeniegirl, weiß nichts von diesen Wesen, doch in ihren Träumen wurde sie bereits vom Bösen verfolgt. Und auch in der realen Welt blieb sie nicht davon verschont, als sie von einer Mitschülerin gemobbt und bedroht wurde. Als diese Mitschülerin plötzlich verschwand hing an Sailor der Verdacht, etwas damit zu tun zu haben. Die Familie zieht deshalb an einen neuen Ort, doch das Böse folgt – oder sind sie dem Bösen gar entgegen gekommen? Sailors Vater beginnt die Abgründe menschlicher und nichtmenschlicher Art zu entdecken, die so nah an unserem alltäglichen Leben lauern ...
Snyders düstere Geschichte, gezeichnet von Jock und koloriert von Matt Hollingsworth, vermag es, die LeserInnen genau so in ihren Bann zu ziehen, wie es die Wytches mit ihren Opfern tun.




Lesetipps im Juni 2016

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